Er saß neben dem Bett und hielt ihre Hand. Sie lächelte mit Tränen in den Augen. „Ich möchte, dass du dir eine Neue suchst.“ Er blickte sie unsicher und fragend an. „Ich möchte, dass du glücklich bist. Das mit uns geht ja noch nicht so lange. Jetzt hast du immer noch die Gelegenheit, dich neu zu verlieben.“ Er schüttelte den Kopf, erst zaghaft, dann zunehmend energischer. „Ich will mich nicht neu verlieben. Ich bin so froh, dass wir uns gefunden haben. Du bist das Beste, was mir passieren konnte.“ „Mit dieser Diagnose bestimmt nicht.“ Sie legte ihre linke Hand auf seine, mit der er ihre rechte hielt und nahm alle drei näher an ihre Brust. „Ernsthaft, ich wünsche mir für dich alles Glück der Erde. Das hast du so verdient.“ „Ich habe mit dir mein Glück gefunden“, insistierte er. „Ach, hör auf! Wir lernen uns gerade erst kennen, verlieben uns und schon soll der Krebs uns wieder auseinanderreißen. Das ist nicht gerecht. Und das möchte ich dir vor allem ersparen.“ Er blickte tief in ihre warmen, braunen Augen und fühlte, wie sich seine ebenfalls mit Tränen füllten, musste gegen den Kloß im Hals kämpfen: „Ich kann mich nicht einfach wieder entlieben. Da ist ja kein Schalter in mir, den ich umlegen kann und schon habe ich dich vergessen. So funktioniert meine Liebe jedenfalls nicht.“ Sie lächelte wieder, setzte dann sehr ernst hinzu: „Ich könnte es mir nie verzeihen, dich so im Unglück zurück zu lassen. ICH habe keine Zukunft, DU schon!“ „WIR haben eine Zukunft. Sie mag kurz sein, aber sie IST.“ „Und ich will nicht, dass du so sehr leidest und vielleicht noch daran zerbrichst.“ „Aber du leidest nicht, wenn wir uns trennen?“, fragte er aufgeregt. Ihre Stimme wurde matt. „Doch, natürlich. Aber es ist ja nicht für lange. Ich werde es aushalten.“ Er nahm ihre Hände nun auch in seine beiden und beugte sich weiter zu ihr hin. „Das musst du aber nicht, denn ich lasse dich nicht los, nie wieder! Ich bin so glücklich, dich lieben zu dürfen.“ Sie probierte ein letztes Mal, an seine Einsicht zu appellieren: „Stell dir doch mal die Schlagzeile vor: ‚Kaum findet er seine große Liebe, schon bricht ihr Krebs ihm das Herz. Liebestragödie mit Scherbenhaufen.‘ Wäre das nicht schlimm und supertragisch?“ Wieder schaute er ihr tief in die Augen und schüttelte ganz langsam, fast unmerklich den Kopf: „Wie wäre es denn andersrum: ‚Trotz schwerer Krankheit fand sie noch die große Liebe. Ein Leben mit Happyend!“ „Ja, das wäre sehr schön!“
"Düster bis Stürmisch"